Oszilloskop-Reparaturen

Hallo Wolfgang,

da ich weiß, dass bei Dir ein reparaturbedürftiges Oszilloskop herumsteht, als Anstoß hier ein kurzer Bericht über meine zwei Erfolge.

Goldstar

Vor einiger Zeit erwarb ich ein Goldstar OS-9020 G, bei dem der integrierte Funktionsgenerator defekt war. Ansonsten funktionierte das Teil so weit.

Um den ausgebauten Funktionsgenerator zu betreiben, brauchte ich vier Spannungen – ich benutzte zwei Steckernetzgeräte und zwei Batteriepacks.

Ich identifizierte zwei End-Eumels als defekt und ersetzte sie, das war’s eigentlich.

Übrigens: Freundlicherweise sind bei dem Gerät beide Seite der Platinen mit Bestückungsaufdruck versehen – eine feine Sache!

Beim Zusammenbau vergaß ich fatalerweise, einen von mehreren Steckern (Focus) aufzustecken.

Das Ergebnis war dieses:

Ein kleiner Trost: Im Netz konnte ich lesen, dass ich nicht der einzige Schussel war, dem das passiert ist. Zum Glück war bei meinem Exemplar nicht so viel kaputt gegangen wie bei dem Leidensgenossen, aber ich habe eine ganze Weile geknobelt, bis ich die Sache raus hatte. Ich fand ein paar Schusseligkeits-Opfer.

Auf dieser Erfolgsstufe sah es zunächst so aus:

Also Austastimpuls hinüber, auch Helligkeitsregelung außer Funktion.
Und noch ein paar Leichen fand ich, so dass insgesamt auf dem Tisch lagen:

Danach war alles gut.

Beim Vergleich mit dem ersten Bild ist Dir vielleicht aufgefallen, dass an die Stelle der Buchse für Gehäuse-Potential ein kleiner Kippschalter getreten ist. Ich habe nämlich eine serienmäßig nicht vorhandene Skalenbeleuchtung nachgerüstet:

Hameg

Vor drei Wochen nun erstand ich ein Hameg HM 1007 – zu seiner Zeit ein Flaggschiff der Angebotspalette. In der Annonce stand: Netzteil defekt, macht keinen Mucks, weitere Fehler möglich.

Mein Bruder hat das gleiche Gerät, bei dem war mal ein Entstör-Kondensator gleich hinter der Netzeingangsbuchse durchgeraucht. Ich hoffte auf Ähnliches und eine durchgeknallte Sicherung.

Die Realität war anders. Sicherungen heile, Kondensator heile, aber Gerät tot – und etliche Spuren unsachgemäßer Löterei. Ich fand drei Stellen, an denen beim Löten die Durchkontaktierungen zerstört waren. Diese habe ich mit winzigen Aderendhülsen geflickt (links Abfallstück nach dem Zuschneiden).

Das sieht hinterher so aus (oben):

Und unten schaut die Aderendhülse zunächst heraus:

Nach dem Nieten und Löten:

Der Apparat hat ein Schaltnetzteil, das eingangsseitig 110 – 240 V verträgt und sekundär 115 V, 55 V, 10 V, -10 V, 5 V sowie -5V bereit stellt, mit einer Regelung sowie einer Schutzschaltung, die ich erst einmal kapieren musste. Auch mechanisch gab es größeren Aufwand als bei dem braven Goldstar. Platinen-Aufdruck: Fehlanzeige. Schalt- und Bestückungspläne fand ich, letztere jedoch ohne Darstellung der Leiterbahnen. Da war die Orientierung schon schwieriger als im ersten Fall. Ein bisschen half mir wieder einmal das Netz, aber auch mehrere Video-Telefonate mit Martin, mit dem ich meine Gedanken austauschte, nicht immer live.

Es brauchte eine Weile, bis – ich weiß nicht mehr, durch welchen Zufall – das Netzteil überhaupt erstmalig zum Schwingen kam. Die Ausgangsspannungen beliefen sich aber allesamt nur auf etwa zwei Drittel der Sollwerte. Etwa fünf Minuten, nachdem das passiert war, befreite sich das Netzteil aus seinem Brems-Zustand, aber es gab unerwünschte Schwingungen, eine schiefe Symmetrie, zu hohe Leistungsaufnahme und – wenn sie nicht außer Gefecht gesetzt war – immer wieder Ansprechen der Schutzschaltung. Ich habe bei der Aufnahme die 10V-Versorgungsspannung überwacht und erkannt, dass das Netzteil anfangs intermittierend arbeitet.

Immerhin gab es schon mal Licht:

Vor der Gleichrichtung sah die Versorgungsspannung sekundärseitig so aus:

Ich habe mich dann daran gemacht, eine eigenartige weiße Fliegenkacke, die sich auf allen Platinen festgesetzt hatte, zu beseitigen. Damit wurde die Zeit, die das Netzteil brauchte, um aus dem intermittierenden Betrieb heraus zu kommen, schon mal wesentlich kürzer.

So erhielt ich dann auch schon ein etwas abwechslungsreicheres Bild. Eindeutig kein Austastimpuls vorhanden, Helligkeitsregelung auch außer Funktion.

Ich merkte inzwischen, dass die Overscan-LEDs nicht funktionierten. Viel Messerei ergab einen so simplen wie an sich unwahrscheinlichen Fehler:

Einige Bastelei war nötig, um an die Dinger heran zu kommen, die in einer von innen ins Chassis eingelöteten Mini-Platine sitzen:

Tatsächlich alle vier Beinchen lose. Wie kann so etwas zustandekommen?

Der Weg dahin (sie sind zwischen den Schalterwellen in der herausgenommenen Abschirmbox für die Eingangsverstärker):

Das funktionierte dann wieder. Bild sieht auch schon recht stabil aus.

Im Zuge der Netzteil-Fehlersuche habe ich, gemeinsam mit Martin, immer neue Theorien entwickelt – und wieder verworfen. So war die Frage, ob es ein „Verbraucher“ im Gerät ist, der die Spannnung runterzieht, oder ob das Netzteil selbst die Macke hat. Dazu habe ich die Leistungsaufnahme, aber auch die Ausgangsströme der einzelnen Netzteil-Ausgänge überwacht. Dies kriegte ich nur mit angelöteten Strippen hin.

Danach war der Fall klar: Der Fehler liegt im Netzteil selbst.

Transistoren im Hochvolt-Abteil

Auf der Hochspannungs-Platine lokalisierte ich drei zerschossene Transistoren – nach deren Ersatz funktionierten Helligkeitsregelung und Austastimpuls.

Hinter der Hochspannungs-Platine (im Bild abgenommen) wird der Fuß der Röhre sichtbar. Links das Netzteil, dessen Leiterseite natürlich im eingebauten Zustand nicht erreichbar ist. Die 12 kV-Kaskade hängt am roten Kabel, die Platine ist hier nicht zu sehen.

Hochspannungs-Platine entfernt

Hier die Hochspannungsplatine, auch auf dieser die Fliegenkacke – oder stammt der Dreck von Ameisen?

Nach wie vor bestanden folgende Probleme: Netzteil erreicht Leistung erst verzögert, es erreicht dann die Spannungen nicht ganz, das Bild zappelt, das Bild enthält Brumm.

Um die Quelle der Zappeleien (Schwankungen in y-Achse, Bilder der beiden Kanäle bewegen sich in x-Richtungen gegenläufig!) bin ich stellenweise tief eingedrungen, letztlich waren es aber doch einfach versiffte Potis. Also wieder Frontplatte weg, tja, das heißt …

War immer noch der Brumm im Gebälk.

Und natürlich die eigenartigen Spannungen und deren Verläufe. Am Netzteil habe ich so lange herum gerätselt, bis ich mich zur Radikal-Lösung entschieden habe (entgegen aller Ratschläge aus den Foren): Austausch sämtlicher Elkos, auch den TL431 habe ich getauscht.

Den Augenblick des ersten Einschaltens sieht man hier.

Spannung sofort da und im Sollbereich. Ich konnte es gar nicht fassen, also noch mal messen:

Auch die Bezugsspannung (8,17 V) passt. Und der Brumm? Noch zu sehen, aber weniger und hat eine reine Kurvengestalt.

Mit zwei zusätzlichen Parallel-Elkos im Y-Verstärker, unten an die Leiterbahn-Seite gelötet, war das auch im Griff. An die zwei vermutlich mehr oder weniger ausgetrockneten auf der Bestückungsseite ging ich wegen des hohen mechanischen Aufwands nicht mehr dran.

Nun hatte ich Muße, die Lage der etwas verdrehten Bildröhre zu korrigieren. Dabei bekam ich auch die Bldschirmbeleuchtung zu Gesicht. Die Wirkung ist ja recht schwach, aber das ist wohl so gewollt – sieht alles gut aus.

Nun kann sich das sehen lassen.

Man sieht, dass die Röhre immer noch nicht ganz gerade steht – aber, was soll’s?

Viele Grüße,

Andi